Bedingungslose Kapitulation
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Bedingungslose Kapitulation bedeutet, dass die Verliererpartei der Siegerpartei das Recht einräumt, alle politischen und gesellschaftlichen Angelegenheiten im Verliererstaat zu regeln. Die Forderung nach bedingungsloser Kapitulation wirkt im Allgemeinen kriegsverlängernd, weil sie Verhandlungen über einen vorzeitigen Waffenstillstand, dessen Bedingungen von beiden Seiten als Kompromiss akzeptiert werden, ausschließt.
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[Bearbeiten] Beispiele
[Bearbeiten] Wehrmacht – Mai 1945
Die Forderung nach einer bedingungslosen Kapitulation (unconditional surrender) der Achsenmächte wurde von den Westalliierten auf der Konferenz von Casablanca zu Beginn des Jahres 1943 erhoben: Ein Sieg der Alliierten über Nazi-Deutschland schien am ehesten durch ein Auseinanderbrechen der Anti-Hitler-Koalition zwischen den Westalliierten einerseits und der Sowjetunion andererseits gefährdet. Da eine bedingungslose Kapitulation Waffenstillstandsverhandlungen und Teilkapitulationen ausschloss, bewies dies der Sowjetunion, dass die Westalliierten bereit waren, den Krieg gegen Deutschland unter allen Umständen weiter an ihrer Seite zu führen. Die Sowjetunion schloss sich dieser Forderung an. Unter Verweis auf diese Maximalforderung sprach das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda von einem „Vernichtungskrieg gegen Deutschland“ und konnte somit möglicherweise den Verteidigungswillen der Bevölkerung stärken.
Nachdem sich Hitler, der jegliche Art von Kapitulation kategorisch ablehnte, am 30. April 1945 das Leben genommen hatte, erklärte der von ihm testamentarisch zum Reichspräsidenten und Oberbefehlshaber der Wehrmacht bestimmte Karl Dönitz in seiner Rundfunkansprache: „Meine erste Aufgabe ist es, deutsche Menschen vor der Vernichtung durch den vordrängenden bolschewistischen Feind zu retten. Nur für dieses Ziel geht der militärische Kampf weiter.“ Entsprechend versuchte er, nachdem bereits mehrere regionale Teilkapitulationen deutscher Streitkräfte in Kraft getreten waren (unter anderem für Berlin, Norditalien, Nordwestdeutschland, Dänemark und die Niederlande), einen separaten Waffenstillstand mit den Westalliierten zu erreichen. Dieses Ansinnen der deutschen Delegation bestehend aus Generaloberst Jodl, Generaladmiral von Friedeburg und Major i. G. Oxenius, die sich am 6. Mai in das operative Hauptquartier der SHAEF im französischen Reims begeben hatten, wurde von Eisenhower aber zurückgewiesen. Daraufhin autorisierte Dönitz Jodl, den Chef des Wehrmachtführungsstabes, ursprünglich nur zum „Abschluss eines Waffenstillstandsabkommens mit dem Hauptquartier des Generals Eisenhower“[1] bevollmächtigt, per Funk zur Unterzeichnung einer bedingungslosen Gesamtkapitulation.[2] Dies geschah am 7. Mai um 2.41 Uhr. Diese sollte am 8. Mai 23.01 Uhr Mitteleuropäischer Zeit [3] in Kraft treten, weshalb letzteres Datum, an dem der Zweite Weltkrieg in Europa beendet war, als Tag der Befreiung beziehungsweise V-E Day begangen wird. Für das SHAEF unterzeichnete Eisenhowers Stabschef General Smith, für das sowjetische Oberkommando General Susloparow, als Zeuge unterschrieb General Sevez.[4]
Da diese Kapitulation lediglich von Jodl, nicht aber von den Oberbefehlshabern der einzelnen Teilstreitkräfte der deutschen Wehrmacht unterzeichnet werden konnte, wurde im direkten Anschluss ein weiteres Dokument unterzeichnet, das die Ratifizierung dieser Kapitulation durch das Oberkommando der Wehrmacht sowie die Oberbefehlshaber von Heer, Luftwaffe und Marine vorsah.[5] Dies geschah durch Unterzeichnung einer weiteren Kapitulationsurkunde im sowjetischen Hauptquartier in Berlin-Karlshorst um 0.16 Uhr in der Nacht vom 8. zum 9. Mai durch Generalfeldmarschall Keitel für das OKW und das Heer, Generaladmiral von Friedeburg für die Kriegsmarine und Generaloberst Stumpff für die Luftwaffe (als Vertreter des Oberbefehlshabers Generalfeldmarschall von Greim), alle drei bevollmächtigt durch Dönitz. Für das SHAEF unterzeichnete Marschall Tedder, für das sowjetische Oberkommando General Schukow, als Zeugen unterschrieben General de Lattre de Tassigny und General Spaatz.[6] Da in der Sowjetunion die deutsche Kapitulation erst nach diesem Akt bekanntgegeben wurde, finden in Russland bis heute die Feierlichkeiten zum Ende des Großen Vaterländischen Krieges am 9. Mai statt.
[Bearbeiten] Japan – September 1945
Kaiser Hirohito verkündete am 15. August 1945, dem V-J-Day, im Rundfunk den „Kaiserlichen Erlass über das Kriegsende“ des Vortages und damit die bedingungslose Kapitulation Japans, die den Zweiten Weltkrieg auch in Asien beendete. Formell unterzeichnet wurde die Kapitulationsurkunde dann am 2. September an Bord des US-amerikanischen Schlachtschiffes USS Missouri – auf japanischer Seite von Außenminister Mamoru Shigemitsu.
[Bearbeiten] Südvietnam – April 1975
Am 30. April 1975 nahmen nordvietnamesische Truppen Saigon, die Hauptstadt Südvietnams, ein. Südvietnam kapitulierte bedingungslos. Der Vietnamkrieg war damit zu Ende und der südliche Staat aufgelöst .
[Bearbeiten] Quellen
- ↑ German Surrender Documents of WWII, Zweites Dokument (fälschlich mit {Reichspresident Donitz's authorization to Colonel General Jodl} {to conclude a general surrender:} betitelt)
- ↑ Katja Gerhartz: Protokoll der letzten Momente (Die Welt vom 7. Mai 2005)
- ↑ In Deutschland selbst galt zu dem Zeitpunkt allerdings eine Sommerzeit (vgl. [1]): Da die Uhr eine Stunde vorgestellt war, entsprach diese Zeitangabe 0.01 deutscher Sommerzeit.
- ↑ ACT OF MILITARY SURRENDER: Seite 1 mit Punkt 1 bis 4 und Seite 2 mit Punkt 5 sowie Datum und Unterschriften (Museum Karlshorst)
- ↑ UNDERTAKING (Museum Karlshorst)
- ↑ KAPITULATIONSERKLAERUNG. Seite 1, Seite 2 mit den Unterschriften (Museum Karlshorst)
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Deutschland
- Museum Karlshorst
- Die deutsche Kapitulation 1945 beim LeMO
- Armin Nolzen: Das Kriegsende 1945 in Deutschland (Tagungsbericht eines Workshop des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes in Zusammenarbeit mit dem Wehrgeschichtlichen Ausbildungszentrum der Marineschule Mürwik im November 2000)
- Die deutsche Kapitulation 1945 beim Bundesarchiv
[Bearbeiten] Japan
- Manfred Pohl in den Informationen zur politischen Bildung (Heft 255) herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung
- Geschichte Japans auf www.japan-tipp.de